Archiv der Kategorie 'Musik'

Frittenbude // Wings

Frittenbude // Wings from Audiolith Records on Vimeo.

Sonne, Park und Sterni

Torsun (feat. Deniz) – Formlos und Frei

Evilmotherfuckersamplebreakdown

Evilmotherfuckersamplebreakdown by BR.

Eintracht Frankfurt – Jude, Jude, Jude

via schons.

Holger Burner’s not my homie

Aus aktuellem Anlass zitiere ich die Kritische Initiative Schaumburg:

Holger Burner’s not my homie!

Heute Abend (24.10.2009) soll der Hamburger Rapper Holger Burner, eigentlich David Schultz, im Mindener „E-Werk“ auftreten. Seine Musik, die er selbst als „Klassenkampf-Rap“ beschreibt, verfehlt das Ziel einer emanzipatorischen Kritik des Kapitalismus’ jedoch bei weitem. Anstatt diesen in seinem gesamtgesellschaftlichen Verhältnis zu begreifen, schürt er primitiven Hass gegen „die da oben“, wie z.B. Konzern-Chefs oder Georg W. Bush[1]. Mit der Projektion aller Verantwortung für die Übel, welche die kapitalistische Wirtschaftsordnung aus strukturellen Gründen immer hervorbringt, auf Manager_innen und Politiker_innen, verkennt er eine der wichtigsten Grundlagen des kapitalistischen Wirtschaftens. Nämlich dass sämtliche sich in dieser Ordnung befindlichen Subjekte ihren Teil zu ihrem Funktionieren beitragen. Mit dem Kampfbegriff „Kapitalisten“, wird nun gegen reelle Personen gehetzt, anstatt die Wirtschaftsordnung zu kritisieren, die diese zu ihren jeweiligen Entscheidungen zwingt[2]. Seinem Verlangen nach der Ermordung von vermeintlichen „Lenkern“ des Kapitalismus’ verleiht er Ausdruck in dem folgenden Satz: „Ich will Uzis verteilen von Hamburg bis München – Mit dem Aufruf die Chefs aller Banken zu lynchen“[3]. Auch in dem Lied „Renn Yuppie, Renn“ ruft Holger Burner unverhohlen zur Menschenjagd auf.

Auch verschwörungstheoretisch hat Holger Burner „einiges drauf“: Einer „kleinen Minderheit“[4] wirft er vor, dass sie vom Drogenkonsum der „Unterschicht“, dem Tabak- und Alkoholverkauf profitiert. Zudem spricht er bspw. im Song „Unser Standard“ von „euren Medien“, halluziniert also eine Macht, die die Presse fremdbestimmt lenkt. Aus fortschrittlicher Sicht besonders gefährlich ist diese Kapitalismuskritik, die den Namen eigentlich nicht verdient hat, wegen ihrer „Anschlussfähigkeit an antisemitische Bilder und Stereotype […], wie beispielsweise das des raffenden jüdischen Kapitals.“, wie das alternative brandenburger Portal „Inforiot“ treffend feststellt.[5]

All dies sollte eigentlich schon genug sein, um Holger Burner als fortschrittlichen Musiker abzulehnen. Doch die durch antisemitische Stereotype[6] beeinflussten Aussagen des Rappers, der der trotzkistischen Organisation SAV nahesteht[7], gehen auch hier noch einen Schritt weiter. „Ich bin gegen jeden Nationalismus und vor allem gegen den Zionismus“, posaunte Holger Burner bei einem Auftritt auf einem Anti-G8-Camp der Berliner „Falken“ 2007 heraus. Die Ansage widerspricht einem emanzipatorischen Standpunkt, da der Zionismus, der durch die Gründung Israels in die Tat umgesetzt wurde, als Schutzraum für von Antisemitismus verfolgte Menschen nun einmal unabdingbar ist, entpuppt sich Burners Aussage als verheerend.[8] Nach diesem Statement distanzierten sich die Verantwortlichen von Holger Burner und entschuldigen sich für dessen „antisemitische und antizionistische“ Aussagen.[9]

Auffälligerweise macht Holger Burner auch aus seiner Sympathie für den „linksnationalistischen“ venezuelanischen Präsidenten Hugo Chávez keinen Hehl. Dass sich dieser auch öffentlich antisemitisch äußert, ist spätestens seit seiner Weihnachtsansprache 2005 bekannt.[10] In dem Song „Deshalb“, den Burner zusammen mit „Albino“ aufgenommen hatte, bezeichnet Burner Chávez als seinen „amigo“. Trotz seiner vorgeblich so antinationalen Einstellung, fühlt sich Burner offensichtlich dem Nationalstaat Venezuela verbunden und solidarisiert sich mit der nationalistischen Regierung – wie sich in zahlreichen Äußerungen zeigt.[11]

Einen weiteren Feind neben den „Reichen“ und sämtlichen Politiker_innen hat der selbsternannte „Master of Ceremonies“ in den Vereinigten Staaten von Amerika gefunden. Er unterstellt den USA, dass sie in Südamerika Präsidenten „nur als Marionetten“ einsetzen und „im Interesse der US“-Gesetze verletzt und verändert würden.[12] Auch in dem Zusammenhang wird als Diffamierung das Wort „Bonzen“ benutzt.

Holger Burner verharmlost außerdem nationalsozialistische Verbrechen: „Hinter dem Faschismus steht das Kapital – der Kampf um Befreiung ist international“, heißt es in „Antifahistory“. In ebendiesem Lied stellt Burner die NATO und die Nationalsozialist_innen auf eine Stufe: „Damals die nazis, heute schmeisst die Bomben die NATO“. In „Si se puede“ vergleicht der Rapper die BRD mit dem Nationalsozialismus: „Kurze Zeit später andres Land, kaum andre Zeit – inzwischen gibt’s in Deutschland wieder Zwangsarbeit.“

Vom Kapitalismus hat Holger Burner gar nichts verstanden, was er in nahezu jeder Strophe beweist. Er sieht sich als Sprecher der „da unten“, die doch endlich anfangen müssen, denen „da oben“ zu zeigen, dass sie sich nicht umherschubsen lassen. Diese rückschrittliche Kapitalismusschelte in Verbindung mit seinen fortschrittsfeindlichen Ansagen lässt eine gefährliche Mischung entstehen. Holger Burner hat sich durch diese Mischung in der linksdeutschen Subkultur verdient gemacht und kann sich mit Gruppen wie „Die Bandbreite“ aus Duisburg in eine Reihe stellen.

In diesem Sinne:
Wertkritik statt Rebellchique!
Kritische Initiative Schaumburg [K.I.S.], Oktober 2009
_______________________________________________________
[1] vgl. „Deshalb“ und „America del Sur“ von Holger Burner
[2] Diese Entscheidungen sind selbstverständlich nicht durchweg „positiv“ und haben teilweise negative Auswirkungen auf Einzelne, die Unternehmen oder nationale Kollektive; die Entscheidungen und damit die Auswirkungen folgen schlichtweg den Gesetzen des Marktes.
[3] Im Song „Ketten zerreißen“
[4] „All das ist im Interesse einer kleinen Minderheit“, in: „Aufwachen“
[5] Inforiot: Holger Burner: „die Chefs aller Banken lynchen“; http://www.inforiot.de/artikel/holger-burner-chefs-aller-banken-lynchen
[6] Holger Burners antisemitische Stereotype sind dabei kein rassistisch-biologistischen, wie die der Nazis, sondern latent-sekundär. Siehe auch Fußnote 8.
[7] Siehe Fußnote 5
[8] Die historische Notwendigkeit der Existenz Israels, welche sich aus der Shoah ableitet, steht nicht zur Diskussion. Eine Solidarität mit Israel ist daher aus emanzipatorischer Sicht unumgänglich.
[9] Riotpropaganda (Blog); http://riotpropa.blogsport.de/2008/04/15/1mai-reloaded/
[10] Chávez sagte dort: „Die Welt gehört jedem Einzelnen, aber es scheint so, als ob Minderheiten – die Nachkommen derer, die Christus ans Kreuz geschlagen haben – sich den ganzen Wohlstand der Welt genommen haben.“ Dass die Juden Jesus gekreuzigt haben sollen, ist ein altes antijüdisches Ressentiment; http://www.taz.de/index.php?id=archivseite&dig=2006/01/11/a0091
[11] Siehe dazu z.B. Fußnote 1
[12] Im Song „America del Sur“ heißt es:„Aktivisten wer’n gehetzt im Interesse der US / Es werden Gesetze geändert, vergessen und verletzt / Präsidenten wurden nur als Marionetten eingesetzt […] Venezuela Verstaatlicht, Umsturzpläne aus den Staaten / Doch ihre Putschversuche werden niedergeschlagen / Wenn sie wieder was versuchen, dann steht das ganze Land / und geballter Klassenkampf macht den fucking Banken Angst“; vgl. http://holger-burner.de/lyrics/america_del_sur.html

Hier nochmal der Aufruf zur Menschenjagd für alle die zu faul zum Lesen sind:

Bezeichnenderweise schrieb user „Sartako“ in der Kommentarspalte auf Youtube :

„Und ganz Berlin schreit „Renn Yuppie Renn!“
Zeit wirds, die sind wie die Heuschrecken….“

Auf und Ab am Ufer des Schmidts

Stanley Schmidt – Auf und Ab am Ufer des Schmidts by stanley_schmidt

Junge Union vs. Junge Liberale

Vielleicht ist dieses Lied auch ein Grund für das anhaltende Tief der FDP.

Stupidozid – Wir Sind Nicht Die Guten

Feindbild: Antideutsch

Kriegstreiber, Spalter, Kaputtkritisierer. Mein persönliches Highlight:

Mehr Infos zur Bandbreite hier.
Andere musikalische Glanzleistungen hier, hier und hier. Ob Verschwörungstheoretiker, mittlerweile offene Nazis oder Tierrechtler, in einem sind sie sich in jedem Fall einig.