Leipzigs Fußball

In kaum einer anderen Stadt wird dermaßen um die Vormacht im Fußballgeschäft gestritten wie in Leipzig und kaum woanders ist der Streit so politisch aufgeladen wie hier. Gleich 5 nennenswerte Vereine gibt es: Lok, Chemie, Roter Stern, Rasenballsport und neuerdings die SG Leipzig-Leutzsch.
Vor ein paar Jahren war es noch ganz leicht, da gab es auf der linken Seite Chemie und auf der rechten Lok. Die Fronten waren klar. Während Lokomotive Leipzig noch heute als Verein existiert und sich mit einer offen rechten Fanszene eindeutig einordnen lässt, ist es mit Chemie nicht so einfach, nahmen in den letzten Jahren doch gleich 3 Vereine das Label für sich in Anspruch.
Seit 1999 kam zudem noch der Rote Stern als explizit politisches Projekt hinzu, man versteht sich als links(radikal). Das nahm und nimmt auch die lokale Naziszene zur Kenntnis und der RSL wird zum beliebten Hassobjekt.
2008 wurde aus der Fanszene von Sachsen Leipzig ein neuer Club mit progressivem Anspruch und dem traditionellen Namen BSG Chemie gegründet, nachdem sich u.a. der Einstieg von Red Bull anbahnte.
Dieser kam nicht zustande, stattdessen stieg man 2009 beim SSV Markranstädt ein um fortan als RB Leipzig den Spielbetrieb zu übernehmen. Mit einer offenen Umfunktionierung eines Fußballvereins zum Unternehmen, wie es in Deutschland bisher noch nicht stattfand, zog man den Hass sämtlicher (und nicht nur) Leipziger Clubs und deren Fans auf sich.
Seit diesem Jahr ist letztlich auch der schon lange finanziell angeschlagene FC Sachsen pleite, der offizielle Nachfolger nennt sich SG Leipzig-Leutzsch. Dessen Fanszene und Führung scheint tendenziell eher rechts zu stehen, wie die Anfeindungen beim Pokalspiel gegen den Roten Stern zeigten. Genauere Ausführungen hierzu sind beim Chemieblogger zu finden.

Man könnte sagen, im politischen Sinne ist das Kräfteverhältnis im Leipziger Fußball ausgeglichen. Und sportlich ist man nicht allzu weit voneinander entfernt. Es bleibt spannend, wie sich das Szenario in Zukunft entwickeln wird.